Eine Woche im Salon – Cashflow-Realität bei Friseuren & Beauty-Dienstleistern

9. Februar 2026 | Freiberufler Ratgeber

Ein nüchterner Blick auf Einnahmen, Kosten und Finanzierung….


Montag: Terminbuch voll, Kasse leer

Der Kalender ist gut gefüllt.
Färben, Schnitte, Kosmetikbehandlungen, Nägel – der Umsatz kommt täglich, aber nicht gesammelt.

Einnahmen:

  • viele kleine Beträge
  • Kartenzahlung dominiert
  • Bargeld wird seltener

Kosten, die sofort anfallen:

  • Wareneinsatz (Farben, Pflegeprodukte)
  • Verbrauchsmaterial
  • Löhne / Abschläge

➡️ Liquidität entsteht stückweise, Ausgaben laufen gebündelt.


Dienstag: Wareneinkauf vor dem Umsatz

Farben, Pflege, Kosmetik – alles muss vorfinanziert werden.
Der Einkauf belastet das Konto, lange bevor der Monatsumsatz sichtbar wird.

Typischer Effekt:

  • hoher Umsatz ≠ hoher Kontostand
  • Ware liegt im Regal, nicht auf dem Konto

Banken sehen hier:
➡️ Umsatz vorhanden, Liquidität sensibel.


Mittwoch: Personal ist der größte Hebel

Friseure und Beautybetriebe sind personalintensiv.
Löhne machen häufig 40–60 % des Umsatzes aus.

Fixe Termine:

  • Lohnzahlung
  • Sozialabgaben
  • ggf. Aushilfen

Einnahmen kommen täglich – die Löhne einmal im Monat.
Das erzeugt den typischen Finanzierungsbedarf.


Donnerstag: Marketing wirkt – zeitversetzt

Social Media, Aktionen, Neukunden – all das kostet Geld.
Der Effekt kommt später, der Einsatz sofort.
Bankensicht:
Marketingausgaben sind schwer zu bewerten, aber notwendig.
Kreditwürdig ist nicht die Kampagne, sondern die Konstanz der Auslastung.


Freitag: Hoher Umsatz, trügerisches Gefühl

Der Freitag ist stark.
Viele Termine, hoher Tagesumsatz.

Trugschluss:
„Es läuft, also passt alles.“

Tatsächlich fehlen oft:

  • Rücklagen
  • Liquiditätspuffer
  • Reserven für Renovierung, Geräte, Stühle

➡️ Gute Tage finanzieren schlechte – aber nur, wenn geplant.


Samstag: Spitzenlast, keine Sicherheit

Samstage bringen Umsatzspitzen.
Aber sie sind nicht planbar und nicht skalierbar.
Banken werten Spitzenumsätze nicht über – sie schauen auf den Wochendurchschnitt.


Sonntag: Stillstand, Fixkosten laufen weiter

Kein Umsatz.
Fixkosten bleiben.
Hier zeigt sich, warum selbst volle Terminkalender nicht automatisch kreditwürdig sind:
Der Betrieb braucht Puffer, nicht nur Auslastung.


Typischer Finanzierungsbedarf (aus der Woche abgeleitet)

ZweckEinordnung
Betriebsmittel (Ware, Löhne)zentral
Renovierung / Umbauregelmäßig
Geräte & Stühleinvestiv
Liquiditätsreservekritisch
Marketingergänzend

Beträge: meist 10.000–80.000 €.


Welche Finanzierung passt zur Cashflow-Logik?

Betriebsmittelkredit

  • für Löhne & Wareneinsatz
  • kurze Laufzeiten
  • Kerninstrument

Leasing

  • Stühle, Geräte, Technik
  • planbare Raten
  • schont Liquidität

Investitionskredit

  • Umbau, Modernisierung
  • nur bei stabiler Auslastung sinnvoll

Förderdarlehen

  • v. a. bei Gründung & Modernisierung
  • oft in Kombination mit Programmen der
    KfW

Häufige Finanzierungsfehler

  • Umsätze als Sicherheit missverstehen
  • keine Rücklagenbildung
  • private Entnahmen bei guten Wochen
  • zu schnelle Expansion (mehr Personal)
  • Finanzierung nur reaktiv, nicht geplant

Banken finanzieren Stabilität, nicht Auslastung.


Friseure und Beauty-Dienstleister sind umsatzstark im Alltag, aber liquiditätssensibel im Monat.
Finanzierung wird dann möglich, wenn tägliche Einnahmen in monatliche Planung übersetzt werden.

Nicht die Anzahl der Termine entscheidet über Kreditwürdigkeit, sondern die Fähigkeit, Cashflow zu glätten und Puffer zu halten.
Wer das beherrscht, bekommt Finanzierung – leise, unspektakulär, aber verlässlich.