Eine Woche im Salon – Cashflow-Realität bei Friseuren & Beauty-Dienstleistern
Ein nüchterner Blick auf Einnahmen, Kosten und Finanzierung….
Montag: Terminbuch voll, Kasse leer
Der Kalender ist gut gefüllt.
Färben, Schnitte, Kosmetikbehandlungen, Nägel – der Umsatz kommt täglich, aber nicht gesammelt.
Einnahmen:
- viele kleine Beträge
- Kartenzahlung dominiert
- Bargeld wird seltener
Kosten, die sofort anfallen:
- Wareneinsatz (Farben, Pflegeprodukte)
- Verbrauchsmaterial
- Löhne / Abschläge
➡️ Liquidität entsteht stückweise, Ausgaben laufen gebündelt.
Dienstag: Wareneinkauf vor dem Umsatz
Farben, Pflege, Kosmetik – alles muss vorfinanziert werden.
Der Einkauf belastet das Konto, lange bevor der Monatsumsatz sichtbar wird.
Typischer Effekt:
- hoher Umsatz ≠ hoher Kontostand
- Ware liegt im Regal, nicht auf dem Konto
Banken sehen hier:
➡️ Umsatz vorhanden, Liquidität sensibel.
Mittwoch: Personal ist der größte Hebel
Friseure und Beautybetriebe sind personalintensiv.
Löhne machen häufig 40–60 % des Umsatzes aus.
Fixe Termine:
- Lohnzahlung
- Sozialabgaben
- ggf. Aushilfen
Einnahmen kommen täglich – die Löhne einmal im Monat.
Das erzeugt den typischen Finanzierungsbedarf.
Donnerstag: Marketing wirkt – zeitversetzt
Social Media, Aktionen, Neukunden – all das kostet Geld.
Der Effekt kommt später, der Einsatz sofort.
Bankensicht:
Marketingausgaben sind schwer zu bewerten, aber notwendig.
Kreditwürdig ist nicht die Kampagne, sondern die Konstanz der Auslastung.
Freitag: Hoher Umsatz, trügerisches Gefühl
Der Freitag ist stark.
Viele Termine, hoher Tagesumsatz.
Trugschluss:
„Es läuft, also passt alles.“
Tatsächlich fehlen oft:
- Rücklagen
- Liquiditätspuffer
- Reserven für Renovierung, Geräte, Stühle
➡️ Gute Tage finanzieren schlechte – aber nur, wenn geplant.
Samstag: Spitzenlast, keine Sicherheit
Samstage bringen Umsatzspitzen.
Aber sie sind nicht planbar und nicht skalierbar.
Banken werten Spitzenumsätze nicht über – sie schauen auf den Wochendurchschnitt.
Sonntag: Stillstand, Fixkosten laufen weiter
Kein Umsatz.
Fixkosten bleiben.
Hier zeigt sich, warum selbst volle Terminkalender nicht automatisch kreditwürdig sind:
Der Betrieb braucht Puffer, nicht nur Auslastung.
Typischer Finanzierungsbedarf (aus der Woche abgeleitet)
| Zweck | Einordnung |
|---|---|
| Betriebsmittel (Ware, Löhne) | zentral |
| Renovierung / Umbau | regelmäßig |
| Geräte & Stühle | investiv |
| Liquiditätsreserve | kritisch |
| Marketing | ergänzend |
Beträge: meist 10.000–80.000 €.
Welche Finanzierung passt zur Cashflow-Logik?
Betriebsmittelkredit
- für Löhne & Wareneinsatz
- kurze Laufzeiten
- Kerninstrument
Leasing
- Stühle, Geräte, Technik
- planbare Raten
- schont Liquidität
Investitionskredit
- Umbau, Modernisierung
- nur bei stabiler Auslastung sinnvoll
Förderdarlehen
- v. a. bei Gründung & Modernisierung
- oft in Kombination mit Programmen der
KfW
Häufige Finanzierungsfehler
- Umsätze als Sicherheit missverstehen
- keine Rücklagenbildung
- private Entnahmen bei guten Wochen
- zu schnelle Expansion (mehr Personal)
- Finanzierung nur reaktiv, nicht geplant
Banken finanzieren Stabilität, nicht Auslastung.
Friseure und Beauty-Dienstleister sind umsatzstark im Alltag, aber liquiditätssensibel im Monat.
Finanzierung wird dann möglich, wenn tägliche Einnahmen in monatliche Planung übersetzt werden.
Nicht die Anzahl der Termine entscheidet über Kreditwürdigkeit, sondern die Fähigkeit, Cashflow zu glätten und Puffer zu halten.
Wer das beherrscht, bekommt Finanzierung – leise, unspektakulär, aber verlässlich.