Neulich stand ich vor genau dem Problem, das wahrscheinlich jeder von uns Freiberuflern kennt. Mein alter Laptop hat angefangen zu schnaufen wie eine Dampflokomotive und der Bildschirm flackerte verdächtig. Es war klar: Neue Technik muss her. Und zwar schnell.
Aber dann ging das Gedankenkarussell los. Soll ich die 3.000 Euro für das neue MacBook Pro direkt auf den Tisch legen? Soll ich einen klassischen Ratenkredit aufnehmen? Oder ist Leasing vielleicht doch der smartere Weg, um Steuern zu sparen?
Ich hab mich mal durch den Dschungel gewühlt, damit du es nicht musst. Denn die Antwort ist – wie so oft – ein klares „Es kommt darauf an“.
Warum Liquidität immer vor Rendite geht
Bevor wir uns die Details anschauen, lass uns über das wichtigste Gut sprechen, das wir als Selbstständige haben: Liquidität.
Flüssige Mittel auf dem Konto zu haben, ist unsere Lebensversicherung. Wenn du heute 20.000 Euro bar für einen Firmenwagen auf den Tisch legst, dann gehört das Auto zwar dir. Aber das Geld ist weg. Futsch. Wenn morgen der wichtigste Kunde abspringt oder eine saftige Steuernachzahlung ins Haus flattert, kannst du dir vom Fahrzeugbrief im Tresor nichts kaufen.
Deswegen tendiere ich oft dazu, größere Summen nicht bar zu zahlen, auch wenn ich das Geld auf dem Konto hätte. Aber schauen wir uns die Kontrahenten mal an.
Der Herausforderer: Leasing
Leasing ist im Grunde nichts anderes als Mieten. Das Objekt gehört dir nicht, du darfst es nur nutzen. Das klingt erst mal blöd, hat aber gewaltige Vorteile für uns Freiberufler.
Die Vorteile:
- Sofortige Steuerwirkung: Die Leasingraten sind in der Regel sofort und voll als Betriebsausgabe absetzbar (sofern du das Objekt rein geschäftlich nutzt). Das drückt deinen Gewinn und damit die Steuerlast jetzt und nicht erst über Jahre verteilt.
- Bilanz-Kosmetik: Da das Objekt nicht dir gehört, taucht es oft gar nicht in deiner Bilanz auf (falls du bilanzieren musst). Das hält die Eigenkapitalquote sauber.
- Immer das Neueste: Gerade bei IT-Equipment ist Leasing genial. Nach 2 oder 3 Jahren gibst du den alten Rechner ab und holst dir den neuen. Kein Elektroschrott im Keller.
Die Nachteile:
Aber Vorsicht, es ist nicht alles Gold was glänzt. Beim Auto-Leasing lauern oft fiese Fallen bei der Rückgabe. Jeder Kratzer wird teuer berechnet. Außerdem bist du an die Laufzeit gebunden. „Kündigen“ geht meistens nicht, wenn die Aufträge mal ausbleiben. Und am Ende hast du jahrelang gezahlt und besitzt: Nichts.
Der Platzhirsch: Der klassische Ratenkredit
Der Kredit für Selbstständige ist der Klassiker. Du leihst dir Geld, kaufst das Ding und stotterst den Kredit bei der Bank ab.
Hier ist der entscheidende Unterschied: Das Objekt gehört ab Tag 1 dir (bzw. wirtschaftlich gesehen dir, auch wenn die Bank den Brief noch hat).
Das hat steuerlich eine ganz andere Dimension. Du kannst die Anschaffungskosten nicht sofort absetzen, sondern musst sie „abschreiben“ (AfA). Ein Auto z.B. über 6 Jahre. Das heißt, du hast zwar 40.000 Euro ausgegeben, darfst aber steuerlich in diesem Jahr vielleicht nur knapp 7.000 Euro geltend machen. Das kann weh tun, wenn du in einem Jahr mit hohem Gewinn bist und Ausgaben brauchst.
Dafür bist du frei.
Du willst das Auto nach zwei Jahren verkaufen, weil du doch lieber Bahn fährst? Mach es einfach. Lös den Kredit ab und gut ist. Diese Flexibilität hast du beim Leasing fast nie.
Meine persönliche Faustformel
Nach all den Jahren und etlichen Fehlentscheidungen (ja, ich habe auch schon mal Geld verbrannt), habe ich für mich eine kleine Matrix entwickelt, wann ich was mache:
- Technik & IT (Laptop, Server, Drucker):Ganz klar Leasing. Der Kram veraltet so schnell, dass ich ihn nicht besitzen will. Nach 36 Monaten geht das zurück und was Neues kommt her. Die Raten sind überschaubar und mindern sofort die Steuer.
- Büroeinrichtung & Langlebiges:Hier nehme ich oft den Kredit oder zahle bar, wenn es kleinere Summen sind. Ein guter Schreibtisch hält 10 Jahre. Den will ich besitzen.
- Firmenwagen:Das ist die Gretchenfrage. Fährst du extrem viel und rockst die Kiste runter? Dann lieber Finanzierung. Die Nachzahlungen beim Leasing wegen „Mehrkilometern“ oder Gebrauchsspuren können dir das Genick brechen. Fährst du moderat und willst alle 3 Jahre was Repräsentatives? Dann Leasing.
Achtung bei der Bonität!
Ein Punkt, den viele vergessen: Sowohl Leasing als auch Kredit belasten deine Schufa bzw. deine Bonität.
Aber: Ein Bankkredit zur freien Verwendung (oder Investitionskredit) sieht in der Schufa manchmal „besser“ aus als fünf kleine Leasingverträge für Handy, Laptop und Auto. Zu viele kleine Verpflichtungen wirken oft unübersichtlich für Kreditgeber.
Fazit: Rechne es durch!
Lass dich nicht von vermeintlich günstigen Leasingraten blenden. Rechne immer: Was zahle ich über die gesamte Laufzeit? Und sprich unbedingt mit deinem Steuerberater, ob du gerade Ausgaben brauchst (dann Leasing) oder ob du lieber Vermögen aufbauen willst (dann Finanzierung).
Wie machst du das? Bist du „Team Eigentum“ oder „Team Mieten“?
Ich bin gespannt auf eure Meinungen!