Kennt ihr das? Ihr habt eine geniale Projektidee, der nächste Auftrag steht eigentlich schon vor der Tür, aber ihr braucht dringend neues Equipment. Oder vielleicht wartet das Finanzamt mal wieder unerwartet auf eine Nachzahlung (wer liebt sie nicht…). Du gehst zur Hausbank, ziehst dein schönstes Hemd an, präsentierst deine Zahlen – und der Berater schaut dich an, als kämst du von einem anderen Planeten.
„Unregelmäßiges Einkommen? Tut mir leid, da können wir nichts machen.“
Ich kenne diesen Blick. Ich hab ihn so oft gesehen, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Als Freiberufler bist du für viele klassische Banken leider immer noch ein rotes Tuch. Risikogruppe. Unsicherer Kantonist. Aber hey, wir lassen uns nicht unterkriegen, oder?
In diesem Beitrag will ich mal Tacheles reden. Ich zeige euch, wie ich es trotzdem geschafft habe, an frisches Kapital zu kommen, worauf ihr bei der Beantragung achten müsst und welche Anbieter wirklich Bock auf uns Selbstständige haben. Schnappt euch nen Kaffee, das hier wird ausführlich!
Warum haben wir es eigentlich so schwer?
Ganz kurz zum Verständnis: Banken lieben Sicherheit. Angestellte haben einen Arbeitsvertrag, der ist wie ein warmes Nest. Wir Freiberufler haben Freiheit – und Freiheit macht Bänkern Angst.
Das Hauptproblem ist die Planbarkeit. In einem Monat verdienst du 8.000 Euro, im nächsten vielleicht nur 1.500. Für den Algorithmus der Bank ist das ein Albtraum. Dazu kommt oft, dass wir unsere Ausgaben „kreativ“ gestalten um Steuern zu sparen. Das drückt den Gewinn in der BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) und zack – sieht die Bonität auf dem Papier schlechter aus, als sie eigentlich ist.
Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Der Markt hat sich gewandelt und es gibt mittlerweile spezialisierte Anbieter und Vermittler, die genau wissen, wie wir ticken.
Die Vorbereitung: Ohne Papierkram geht nix (leider)
Bevor ihr auch nur einen Antrag ausfüllt, müsst ihr eure „Waffen“ schärfen. Glaubt mir, ich bin da auch schon blauäugig rangegangen und wurde abgelehnt, einfach weil Unterlagen fehlten oder alt waren.
Hier ist meine Checkliste, die ihr bevor ihr eine Anfrage startet, parat haben solltet:
- Die BWA (aktuell!): Die Bank will sehen, was jetzt gerade läuft. Eine BWA von vor zwei Jahren interessiert niemanden.
- Einkommensteuerbescheide: Die letzten zwei Jahre sind Standard. Habt ihr die nicht, wird es eng, aber nicht unmöglich (dazu später mehr).
- Kontoauszüge: Macht euch nackig. Die wollen sehen, dass keine Rücklastschriften mangels Deckung drauf sind. Das ist ein Killer für jeden Kreditantrag!
- Schufa-Selbstauskunft: Checkt das vorher. Manchmal stehen da alte Handyverträge drin, die längst gekündigt sind. Lasst das löschen!
Kleiner Tipp unter uns: Wenn ihr könnt, nehmt einen zweiten Kreditnehmer mit rein. Ehepartner, Geschäftspartner… sobald da ein zweites Einkommen (am besten aus Festanstellung) steht, öffnen sich Türen, die vorher fest verschlossen waren.
Meine Erfahrungen mit den Anbietern: Wer gibt uns wirklich Geld?
Ich habe über die Jahre so einiges durchprobiert und recherchiert. Hier ist meine ganz persönliche Einschätzung zu den Playern auf dem Markt, speziell für den Kredit für Freiberufler.
1. Smava – Der Vergleichs-Gigant
Smava ist keine Bank, sondern ein Vergleichsportal. Das ist meistens mein erster Anlaufpunkt gewesen.
Warum? Weil du hier mit einer Anfrage gleich bei zig Banken anklopfst, ohne dass es deinen Schufa-Score zerschießt (wichtig: achtet auf „Konditionsanfrage“, nicht „Kreditanfrage“).
Meine Erfahrung:
Die Eingabemaske ist easy. Du gibst „Verwendung: Gewerbe“ oder „Freie Verwendung“ an.
Was ich cool fand: Ich wurde nach der Eingabe tatsächlich von einem Kreditberater angerufen. Erst dachte ich „Och nö, nicht telefonieren“, aber der Typ war fit. Er hat mir gesagt: „Alex, bei der Bank X brauchst du es gar nicht versuchen mit deiner BWA, aber Bank Y, die mag Freiberufler.“
Das hat mir viel Zeit gespart. Bei Smava findet man oft auch Angebote von der Solarisbank oder anderen Fintechs, die den Prozess komplett digital machen. Kein Postident in der Filiale, alles per Video-Call. Geld war bei mir mal innerhalb von 48 Stunden da.
Fazit zu Smava: Super für den ersten Überblick und um ein Gefühl für die Zinsen zu bekommen.
2. Auxmoney – Die letzte Rettung?
Wenn die Hausbank abwinkt und auch die klassischen Vergleichsportale „Nein“ sagen, dann kommt oft Auxmoney ins Spiel.
Das Konzept ist hier anders: Es ist ein Marktplatz für Kredite von Privat an Privat (P2P), wobei mittlerweile auch institutionelle Anleger dahinter stehen.
Der Clou: Auxmoney bewertet anders. Die gucken nicht stur auf den Schufa-Score wie die Sparkasse. Die haben ihren eigenen „Auxmoney-Score“. Hier kannst du auch dein Projekt beschreiben. Wenn du zum Beispiel ein Auto brauchst, um Kunden zu besuchen, macht das Sinn und Investoren finanzieren das gerne.
Ich habe es mal getestet, als meine Schufa wegen eines Streits mit einem Telefonanbieter kurzzeitig im Keller war.
- Vorteil: Die Hürden sind viel niedriger. Auch als Kredit für Selbstständige ohne Schufa (bzw. mit mittelmäßiger Schufa) ist das oft die einzige Chance.
- Nachteil: Die Zinsen sind höher. Ganz klar. Man bezahlt den „Risikoaufschlag“. Aber mal ehrlich: Besser 7% oder 9% Zinsen zahlen und das Geschäft am Laufen halten, als pleite gehen, weil man keine Liquidität hat.
Mein Tipp: Seid ehrlich bei der Beschreibung eures Vorhabens. „Ich brauche Geld für Marketing“ zieht besser als „Ich will Umschulden“.
3. Creditolo – Der Spezialist für schwierige Fälle
Ein Name, der vielleicht nicht so bekannt ist wie Check24, aber für uns Gold wert sein kann. Creditolo wirbt offensiv damit, auch Kredite ohne Schufa zu vermitteln.
Ich war erst skeptisch. Klingt ja oft nach Abzocke. Aber die sind seriös.
Sie sitzen in Deutschland und verlangen keine Vorkosten. Das ist das wichtigste Warnsignal bei anderen „Schwarzen Schafen“: Wenn einer Geld vorher will, rennt weg!
Bei Creditolo lief es so: Anfrage gestellt, Unterlagen hingemailt. Die prüfen das manuell. Da sitzt also wirklich jemand und schaut sich deine Situation an, nicht nur ein Computer. Das hat mir gefallen, weil man als Freiberufler oft erklärungsbedürftige Einnahmen hat.
Kredit ohne Schufa – Geht das wirklich?
Das ist das Keyword, wonach alle suchen: „Kredit für Freiberufler ohne Schufa“.
Lasst uns realistisch sein. Einen echten Kredit ganz ohne Bonitätsprüfung gibt es in Deutschland kaum seriös. Was es gibt, sind Kredite trotz negativer Schufa-Einträge (solange es keine „harten“ Merkmale wie Insolvenz oder Haftbefehl sind).
Meistens kommen diese Kredite dann von Banken aus dem Ausland (z.B. Liechtenstein), die sogenannten „Schweizer Kredite“.
Für uns Selbstständige ist das aber doppelt schwer, da diese Banken meist ein festes, pfändbares Einkommen sehen wollen.
Mein Rat: Versucht es lieber erst bei Auxmoney oder spezialisierten Vermittlern wie Creditolo oder Bon-Kredit, bevor ihr auf dubiose Zeitungsannoncen reinfallt.
Ein paar Worte zur Laufzeit und Rate
Ein Fehler, den ich am Anfang gemacht habe: Ich wollte den Kredit so schnell wie möglich zurückzahlen.
„Mach mal 24 Monate, dann bin ich schuldenfrei!“, dachte ich.
Dummer Fehler.
Die Rate war so hoch, dass ich in einem monat mit weniger Aufträgen (Sommerloch!) echt ins Schwitzen kam.
Wählt die Laufzeit lieber länger und die monatliche Rate niedriger.
Die meisten modernen Kredite erlauben kostenlose Sondertilgungen.
Das heißt: Wenn es gut läuft, zahlt ihr einfach mehr zurück. Wenn es schlecht läuft, habt ihr aber nicht die Schlinge um den Hals wegen einer mörderischen Rate. Flexibilität ist für uns Freiberufler das Wichtigste!
Kopf hoch, Geld kommt!
Es ist nicht einfach, einen Kredit für Freiberufler zu bekommen, aber es ist 2025 definitiv machbarer als noch vor zehn Jahren. Die Fintechs und Portale haben kapiert, dass wir eine riesige Zielgruppe sind.
Meine Strategie für euch zusammengefasst:
- Unterlagen sauber vorbereiten (BWA!).
- Vergleichsportal nutzen (Smava) für den Marktüberblick.
- Wenn es da hakt: Auxmoney versuchen.
- Laufzeit lang wählen, Sondertilgungen nutzen.
Lasst euch von einer Absage bei der Hausbank nicht entmutigen. Die haben oft einfach keine Ahnung von unserem Business.
Habt ihr schon Erfahrungen mit einem der Anbieter gemacht? Oder habt ihr nen Geheimtipp, wo man als Freelancer gut an Geld kommt? Schreibt es mir gerne mal, ich bin immer auf der Suche nach neuen Infos!